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Viel Aufmerksamkeit und gelegentlich Applaus

 

Auf der Mitgliederversammlung des TVJE am 17. März wurden der Entwurf des neuen Jagdgesetzes und Regelungen zum vorgesehenen Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ abgelehnt / Mitglieder beschlossen erstmalig nach zwei Jahrzehnten Beitragserhöhung

Die mehr als 200 Teilnehmer von Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirken, die sich trotz des winterlichen Einbruchs mit Frost, glatten Straßen und Schneeverwehungen am 17. März 2018 zur Mitgliederversammlung im Carl-Zeiss-Saal der Erfurter Messe aufgemacht hatten, erlebten einen informativen, teils recht kurzweiligen Vormittag, bevor sich viele von ihnen dem Besuch der 20. Messe Reiten-Jagen-Fischen widmeten. Passend zu den auf der Versammlung zuvor behandelten Themen, was das jagdliche Schießen, die Stände von Landesjagdverband, ThüringenForst und Jagdschule oder die Zubereitung von Wildgerichten durch Köche-Azubis der Ernst-Benary-Schule Erfurt angeht. Meinethalben auch Trophäenschau, Gebrauchshunde- und Greifvogelvorführungen oder das Angebot von Jagdhörnern und Hochsitzen. Hirschrufer nicht zu vergessen.

 

Um Konkretheit bemüht

Die 21. Mitgliederversammlung kam, anders als in zurückliegenden Jahren, ohne Ministerpräsident Bodo Ramelow oder die von der Grippe hingestreckte Ministerin Birgit Keller (Die Linke) und den ebenso erkrankten Vorsitzenden des Landtagsausschusses Egon Primas (CDU) aus, dafür bekundeten Staatssekretär Dr. Klaus Sühl vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft wie auch der Umweltausschussvorsitzende Tilo Kummer (beide Die Linke) nicht nur glaubhaft ihre Sympathie mit dem Verband, sondern äußerten sich auch zu mehreren aktuellen, bei weitem noch nicht geklärten Fragen. Sowohl im internen wie im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung wurde die  Neufassung des Thüringer Jagdgesetzes, die Verbandskritik am Vorhaben „Naturmonument Grünes Band Thüringen“, aber auch die Reduzierung der Schwarzwildbestände zur Verminderung der Wildschäden und der Seuchenprävention diskutiert. Die Vorlagen hierzu lieferte Präsident Peter Leicht, der für seine fachlich auf den Punkt gebrachten wie auch zuspitzenden und gelegentlich unterhaltsamen Anmerkungen große Aufmerksamkeit und mehrfach Applaus erhielt. Auch der Bundestagsabgeordnete (und Jagdvorsteher) Albert Weiler (CDU) oder die Präsidenten von Landesjagdverband und Bauernverband, Jürgen Liebig und Dr. Klaus Wagner, waren um Konkretheit bemüht.

 

Nur eine lakonische Antwort

Mit einer massiven Kritik am Umweltministerium und Ministerin Siegesmund (Grüne) machte Präsident Peter Leicht deutlich, welchen Eingriffen das Eigentümerrecht ausgesetzt ist. Zur Anhörung über das Vorhaben „Nationales Naturmonument Grünes Band Thüringen“ war der Verband erst nach Intervention beim Vorsitzenden des Umweltausschusses, Tilo Kummer, eingeladen worden. Die Jagd sei nicht betroffen, war lakonisch mitgeteilt worden. Gemeinsam mit den anderen Nutzerverbänden wurde in der Anhörung der Gesetzentwurf abgelehnt, da mit dem beabsichtigten Schutzstatus viele Flächeneigentümer, auch zahlreiche Kommunen, betroffen wären.

Ebenfalls kritisch äußerte sich Leicht zur Novellierung des Jagdgesetzes. Im vorliegenden Gesetzentwurf seien die mehrfach diskutierten Änderungswünsche und erzielten Kompromisse nicht aufgenommen worden. Überzogenen Forderungen der Naturschutzverbände werde seitens der Regierung im Interesse des Koalitionsfriedens nachgegeben. Das Ergebnis werde nicht zuletzt Auswirkungen auf das künftige Wahlverhalten der Eigentümer haben.

 

An Bonmot von Struck erinnert

Sowohl Agrarstaatssekretär Dr. Klaus Sühl als auch der langjährige Landtagsabgeordnete Tilo Kummer gaben Einblicke in die Mechanismen der Landespolitik. Während Sühl bemüht war, pauschaler Kritik an Stadtbewohnern als Gegnern der Jagd die Schärfe zu nehmen („so doof sind die nun auch nicht“), bezog sich Kummer auf den von Leicht zitierten ehemaligen SPD-Prominenten und Bundesminister Struck, von dem das Bonmot stammt, kein Gesetz verlasse das Parlament, wie es hineingekommen sei, und machte deutlich, dass auch im Thüringer Landtag nicht jedes Gesetz, was die Regierung eingebracht habe, beschlossen wurde. Er bezog das auf das geplante Jagd- wie auch das Wassergesetz. Mancher dachte da wohl an die mit keinem Wort erwähnte vorerst gescheiterte Gebietsreform.

 

Interessenvertretung gesichert

Im internen Teil der Mitgliederversammlung waren neben den jagdpolitischen auch mehrere Themen des Verbandslebens behandelt und rege diskutiert worden. So begründete Präsident Leicht die Notwendigkeit der ersten Erhöhung des Jahresbeitrages seit zwei Jahrzehnten von 50 auf 65 Euro und des Hektarbeitrages von 2 auf Cent u.a. mit den steigenden Kosten für Bürotechnik, der Auslagerung der Buchhaltung, Steuerberatung, der umfangreicheren Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit oder der Minderung der Nettozuführung aus der Jagdabgabe. Zu Kosteneinsparungen habe der Austritt aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer gehört, deren Leistungen in keinem Verhältnis zur Beitragshöhe standen. Bis auf vier Gegenstimmen und acht Enthaltungen stimmten die Teilnehmer der Beitragserhöhung zu. Den Berichten von Präsidium, Geschäftsführung und Kassenprüfung sowie dem Vorschlag, Beate Misch als Nachfolgerin des aus persönlichen Gründen nicht mehr dem Präsidium angehörenden Niko Scheringer zu wählen, gaben alle Teilnehmer ihre Zustimmung. Und sicherten so die weitere Arbeitsfähigkeit ihrer Interessenvertretung.                                                        

 Werner Wühst

Freier Journalist

Jagdhornbläsergruppe „St. Hubertus Erfurt e. V.“

 

TVJE-Präsident hielt den Rechenschaftsbericht

 

Den Bericht der Kassenprüfer verlas Frau Beate Misch. Rechtsanwalt Uwe Ropte (vorne rechts) leitete die Versammlung.

 

Mehr als 200 Jagdvorsteher und Gäste nahmen an der Versammlung im Carl-Zeiss-Saal teil

 

 

Präsident Peter Leicht gratulierte Beate Misch zu Ihrer Wahl ins Präsidium als Nachfolgerin von Niko Scheringer

Staatssekretär Dr. Klaus Sühl (DIE LINKE) vertrat die an Grippe erkrankte Ministerin Birgit Keller und hielt ein Grußwort

Tilo Kummer (Die Linke), Vorsitzender des Landtagsausschusses für Umwelt, Energie und Naturschutz, setzte sich in seinem Grußwort kritisch mit Jagdgegnern im NABU Thüringen auseinander

Eberhard Krause aus Rüdersdorf (links) und Peter Müller aus Rohr erhielten für die langjährige Mitarbeit in Ihren Jagdvorständen die Ehrennadel des Verbandes

    

Zahlen & Fakten

 

Dem Verband gehören 915 Mitglieder mit einer jagdbaren Fläche von 8.309,22 Quadratkilometer (66 Prozent der Fläche insgesamt) an, 23  wurden 2017 aufgenommen.

Der TVJE war an jeweils sechs Anhörungen im Thüringer Landtag und sechs Beratungen des TMIL zum neuen Jagdgesetz beteiligt.

805 Mitglieder verfügen über das Jagdkataster, 747 haben es im vergangenen Jahr aktualisiert, 41 neu beantragt.

Es fanden 46 Winterschulungen und Schulungen zur Führung des Jagdkatasters sowie mehrere Weiterbildungsveranstaltungen statt.

Einvernehmlich konnten 14 Wildschadensverfahren geklärt werden.

Mit 2.000 Unterschriften wurde die Petition gegen die Stilllegung von Waldflächen unterstützt.

Hinweise:

Der Beitrag ist identisch mit einer Veröffentlichung in der Mitgliederzeitschrift „Der Thüringer Jagdvorsteher“, Heft 31, die am 31. März 2018 erscheint. Eine PDF der Zeitschrift (12 Seiten) steht ab 23. März auf Anforderung (wuehst@t-online.de) zur Verfügung. Sie enthält weitere Beiträge zur Afrikanischen Schweinepest, der Wildfleischverarbeitung sowie eine historische Betrachtung zum Wolf aus Sicht des „Tiervaters“ Alfred Edmund Brehm, an dessen Geburts- und Sterbeort Renthendorf bei Stadtroda derzeit das Museum neu gestaltet wird.. 

Fotos von der Mitgliederversammlung können tel. beim Autor angefragt werden (036695 21478). Eine Veröffentlichung von Text und Fotos ist honorarfrei.

Gera-Seligenstädt, den 20. März 2018

17 Uhr